Archiv für November 2008

Flyer zur Reichspogromnacht

Anlässlich des 70. Jahrestages der Reichspogromnacht haben wir einen Flyer [PDF] unter dem Motto „Kein Vergeben, kein Vergessen – gegen Geschichtsrevisionismus, Antisemitismus und Faschismus“ verfasst. Alternativ zur PDF gibt’s den Flyertext auch in reiner Textform:

Am 09.11.2008 jähren sich die Novemberpogrome bereits zum 70. Mal.

Dieses Datum steht für den Beginn der vollständigen Entrechtung der deutschen Jüdinnen und Juden durch die NationalsozialistInnen, die dann im Holocaust kaum vorstellbar grausame Ausmaße annahm.

Am 07.11.1938 übte der aus Deutschland geflohene polnische Jude Herschel Grynszpan – aus Protest gegen die Deportation von ungefähr 17.000 Jüdinnen und Juden – ein Attentat auf den deutschen Legationssekretär vom Rath aus. Als dessen Tod am 09.11.1938 bekannt wurde, zerstörten am späten Abend desselben Tages organisierte Gruppen von NationalsozialistInnen weit über 1.000 Synagogen, 7.500 jüdische Wohn- und Geschäftshäuser und zahlreiche jüdische Friedhöfe in ganz Deutschland. Nach offiziellen Angaben starben in dieser Nacht 91 Menschen, es gab tausende Verletzte und rund 30.000 Jüdinnen und Juden wurden in Konzentrationslager deportiert. Darüber hinaus sprach die Reichsregierung Berufsverbote für jüdische ÄrztInnen und AnwältInnen aus und forderte die „Ausschaltung der Juden aus dem deutschen Wirtschaftsleben“. Hilfe oder Empörung seitens der nicht-jüdischen deutschen Bevölkerung gab es kaum bis gar nicht.

Auch Erftstadt war von den Pogromen des 09.11.1938 betroffen: Alle jüdischen Geschäfte, die sich in den Dörfern befanden, wurden demoliert und die drei Synagogen in Lechenich, Friesheim und Gymnich durch Feuer vernichtet. Einige Erftstädter Jüdinnen und Juden ergriffen die Flucht, die Übriggebliebenen wurden in ein „Judenhaus“ in Gymnich gebracht, wo sie bis 1942 lebten und dann in Konzentrationslager abtransportiert wurden. [1]

1945 konnte durch alliierte Intervention zwar der industrielle Völkermord an den Jüdinnen und Juden, sowie der Zweite Weltkrieg unterbunden werden, antisemitischen Ressentiments innerhalb der deutschen Bevölkerung tat der Niedergang des „Tausendjährigen Reichs“ jedoch keinen ernsten Abbruch.

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