Straßenumbenennung in Erftstadt-Friesheim

Erstveröffentlichung auf Indymedia

Material:

Nachbarschaftsflyer [PDF]
offener Brief an den Stadtrat [PDF]
Pressemitteilung [PDF]

Bericht:
Die Agnes-Miegel-Straße in Erftstadt-Friesheim wurde am Donnerstagmorgen in einer symbolischen Aktion in die Salomon-Franken-Straße umbenannt. Miegel war Schriftstellerin und bekennende Nationalsozialistin. In mehreren Gedichten zeigt sich eine Hinwendung zu Blut-und-Boden Themen. Gleich drei Gedichte widmete sie Adolf Hitler. Franken hingegen war ein Jude aus Friesheim, der mitsamt seiner Frau Else und seines jüngsten Sohns Jacob 1942 ins KZ Theresienstadt und später nach Auschwitz deportiert wurde. Anwohner_innen wurden durch Flyer über die Hintergründe der Aktion informiert; um eine tatsächliche Umbenennung zu erwirken hat sich die Antifa Erftstadt mit einem Brief an die politischen Entscheidungsträger gewandt.

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5 Antworten auf “Straßenumbenennung in Erftstadt-Friesheim”


  1. 1 Andreas 26. August 2010 um 18:51 Uhr

    Habt ihr en Riss im Plätzchen?

    Hitler ist tot, und das schon gute 65 Jahre lang.
    Es ist ja schön das ihr veruscht auf Eurer Projekt Aufmerksam zu machen, aber so?

    Anscheinend schreckt ihr ja selbst auch nicht vor Sachbeschädigung zurück. Wie das Foto des Straßen-Schildes erkennen lässt.

    Jeder der sich die benachtbarten Straßennamen anschaut wird erkennen, das die Straßennamen unverkennbar Dichtern und Schriftstellern zugeordnet sind.

    Welche politische Einstellungen diese Personen hatten, sei mal dahin gestellt. Ihr wollt also ein Straßenbild zerstören. Und noch dazu den Anwohnern das Geld aus der Tasche ziehen (Ummeldung, Anschriftsänderung bei Arbeitgebern, Versicherungen, Firmen, etc.) Um das alte mutwillig beschädigte Straßenschild gegen ein neues auszutauschen (welches Übrigens auch Geld kostet). Noch dazu gibt es diesen Straßennamen nur allzu oft in ganz Deutschland.

    Wenn ihr schon anfangen wollt. unbedutsame Straßennamen zu ändern. Würde ich vielleicht mal mit der „judengasse“ in Lechenich beginnen. Da dieser Name wohl ehr diskriminierend als Denkwürdig klingt.

    So Kleinkarriet sind wir Deutschen also schon geworden. Straßennamen aus solch Gründen zu ändern. Werden Straßennamen von Mördern, Vergewaltigern oder Kinderschändern umbenannt? Wieviele „ehrenwürdige“ Straßennamenträger, haben wohl noch eine unentdecke Leiche im Keller. Aber macht ruhig weiter so.
    Mit solchen Aktionen lenkt ihr ehr die Aufmerksam auf Hitler, als auf so arme Opfer des Nationalsozialismuses wie Salomon-Franken.

    Da die meisten „Rechten“ doch ehr einfach gestrickt sind(und garnicht wussten wer Agnes Miegel ist), denke ich habt ihr Ihnen mit dieser Aktion ehr den Anreiz gegeben die zitierten drei Gedichte nachzuschlagen. Und ihrem nacheifern eines längst toten Mannes nachzugehen.

    Die Deutsche Geschichte ist schon geschrieben. Und Vergangenheit lässt sich bekanntermassen nicht verändern. Das sollten wir alle aktzeptieren.

    Und nein ich bin „rechter“, nur ein entsetzter Mitbürger.

  2. 2 antifaaktionerftstadt 26. August 2010 um 19:07 Uhr

    Hallo Andreas!

    Wir wollen kein Straßenbild zerstören und wir wissen, dass auch andere Straßen dort nach DichterInnen genannt sind. Zerstört wird diese Idylle leider durch den Namen der Nationalsozialistin dazwischen. Wir denken, dass Nazis so nicht hofiert werden dürfen.

    Uns liegt auch nichts ferner als den AnwohnerInnen Geld aus der Tasche zu saugen. Wir denken, dass die Kosten hierfür von der Stadt Erftstadt getragen werden müssen. Auch Hilfe bei dem Vorgang der Ummeldung muss sie leisten. Denn maßgeblich ist es bis heute das Versäumnis der Stadt, dass der Straßenname nicht geändert wurde. Wir denken aber, dass auch die AnwohnerInnen selbst nicht in einer Straße leben wollen, die nach einer Nazi-Dichterin benannt ist.

    Werden Straßennamen von Mördern, Vergewaltigern oder Kinderschändern umbenannt?

    Gibt es denn nach Mördern, Vergewaltigern oder Kinderschändern benannte Straßen in Erftstadt. Unserer Recherche nach gibt es die nicht. Wenn Du gegenteilige Informationen hast poste sie doch bitte hier, dann kann man sich auch darum kümmern.

    Die Taktik Nazis totzuschweigen, damit sie so keine Attraktivität auf andere Menschen ausstrahlen können, hat ihre Berechtigung. Allerdings hat die sich bis heute im Großen und Ganzen als nicht zutreffend herausgestellt. Das wird Dir jede/r Rechtsextremismusexpert/in bescheinigen. Auch die Stadt Erftstadt verfolgt eine andere Politik: Runder Tisch gegen Rechtsextremismus ( siehe hier ), Veranstaltung mit Szene-Kenner Michael Klarmann im April ( vergleiche hier ) und letzlich auch die Resolution gegen Rechts ( siehe hier ) sprechen eine andere Sprache.

    Grüße,
    Marcel Schrink

    PS: Schön, dass Du Deine Meinung hier kund tust. Dazu soll die Kommentarfunktion hier – gerade auch den NachbarInnen – dienen.

  3. 3 Jooh... 28. August 2010 um 11:48 Uhr

    …gute Aktion!
    Sachbeschädigung ist es zwar vielleicht formal, aber ein Schild zu überkleben ist jetzt nicht besonders gewalttätig.
    Und wenn man die Straße umbenennt, kann man sie ja auch nach einem/-r jüdischen oder sonstigen im Nazi-Regime verfolgten Dichter_in benennnen, wenn das besser zu den umgebenden Straßen passt. Am besten nach einer Frau, es gibt zu wenig Straßen, die nach Frauen benannt sind, es wäre schade, wenn es durch die Umbenennung eine weniger gibt.
    Aber Hauptsache, die Straße wird umbenannt. Es kann nicht sein, dass heute noch Straßen nach solchen menschenfeindlichen Individuen benannt sind!

  4. 4 antifaaktionerftstadt 28. August 2010 um 13:41 Uhr

    Hallo Jooh…!

    Du hast Recht! Auch wir fänden einen Frauennamen aus genau diesem Grund besser.

    Allerdings lässt sich, leider, über Frauen in Erftstadt-Friesheim während des Nationalsozialismus weniger in Erfahrungen bringen, als über Männer (was sicher damit zu tun hat, dass Frauen hier immer nur als zu ihrem Mann zugehörig beachtet wurden, nie lag der Fokus auf ihnen selbt).
    Deshalb haben wir uns für Salomon Franken entschieden.

    An dieser Forderung halten wir auch nach wie vor fest. Uns geht es darum einen (bis jetzt) unbekannten und Friesheimer Verfolgten des Nationalsozialismus in das Gedächtnis der Öffentlichkeit zurück zu holen, um zu zeigen, dass selbst in kleinen Orten der nationalsozialistische Vernichtungswille präsent war. Wir halten es für das einzig politisch richtige, wenn der Straßenname einer Nationalsozialistin, dem eines Verfolgten weicht. Das ist uns auch wichtiger als dass es sich hier um reine DichterInnen-Straßen handeln soll. Die Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus und das Erinnern an die Opfer des NS darf nicht mit fadenscheinigen Argumenten blockiert werden.

    Liebe Grüße,
    Luca Plette

  5. 5 Sauber! 28. August 2010 um 20:52 Uhr

    Wirklich eine gute Aktion, an der es nicht zu bemängeln gibt. Schön, dass sich offenbar auch die Stadt nicht vor der Thematik verschließt und das Thema auch in den Medien aufgegriffen wird. Ist etwas bekannt, wie die AnwohnerInnen darauf reagiert haben? Bleibt am Ball, GenossInnen… ;-)

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