Archiv für September 2010

Aufruf zur antifaschistischen Kundgebung in Erftstadt und Infos

Update:

Es wird, wenn notwendig, Pavillons zum unterstellen geben!

+++ Wir haben eine Materialsammlung [PDF] (ca. 50 Seiten – 3,5MB) zu Agnes Miegel veröffentlicht +++ es besteht die Möglichkeit die Forderung nach Umbenennung zu unterstützen +++ Am 05. Oktober 2010 veranstalten wir eine Kundgebung unter dem Motto „Kein Vergeben den NS-TäterInnen – Kein Vergessen den NS-Opfern!“ in Erftstadt +++ Zugtreffpunkt: Köln Hbf 15:21 Uhr Gleis 8 B-C (RE 12085) +++

Kein Vergeben den NS-TäterInnen – Kein Vergessen den NS-Opfern!

Aufruf zur antifaschistischen Kundgebung am 05. Oktober 2010 in Erftstadt | 16 Uhr | gegenüber des Rathauses in Erftstadt-Liblar

Vor der Ratssitzung am 05. Oktober wollen wir eine Kundgebung gegen den relativierenden Umgang mit NS-TäterInnen abhalten. Anlass ist die öffentliche Debatte um die Umbenennung der Agnes-Miegel-Straße im Ortsteil Friesheim. Die Dichterin gilt als literarisches Aushängeschild des Nationalsozialismus und hat sich auch nach Kriegsende nicht vom Nationalsozialismus distanziert. Im Gegenteil: sie publizierte weiterhin in nazistischen Kreisen, wie z.B. in der Zeitung „Nation Europa“. Folgerichtig gilt sie auch für Neonazis noch heute als bedeutende Persönlichkeit und kann sich der Zustimmung von bspw. geschichtsrevisionistischen und antisemitischen Organisationen sicher sein – als Beispiel sei hier auf das inzwischen verbotene „Collegium Humanum“ verwiesen.

Dass eine Straße in Erftstadt nach ihr benannt ist, verwundert nicht, denn Agnes Miegel konnte- wie viele andere NationalsozialistInnen auch- in der Bundesrepublik ungebrochen Karriere machen. Zur Verantwortung wurde sie nicht gezogen, als Täterin viele Jahre lang nicht angesehen. Trotz der gegenteiligen Faktenlage sind es vor allem extrem konservative Kräfte, die auch heute noch versuchen, die Ostpreußin Agnes Miegel als „Heimattreue“ und von Hitler „Verführte“ und damit als angeblich unschuldige Mitläuferin im Nationalsozialismus zu stilisieren. Dabei war Miegel eine literarische Stütze des Nationalsozialismus. (mehr…)

Vortrag: „Der Wille zur Ausgrenzung“

zur Debatte um Thilo Sarrazin

Die in den letzten Wochen durch die in Spiegel und Bild veröffentlichen Auszüge aus dem Buch „Deutschland schafft sich ab“ des Ex-Bundesbankers Thilo Sarrazin entbrannte Debatte über Migration in Deutschland offenbart erneut die rassistischen und islamophoben Vorurteile der deutschen Mehrheitsbevölkerung.
Gleichzeitig fördert Sarrazin mit seinen Auslassungen gegen Arbeitlose und andere „Unproduktive“ eine Diskussion, in der eine noch stärkere Ausbeutung der Lohnarbeit wieder offen gewünscht wird.
Das sich, laut einer Emnid-Umfrage, fast jede_r fünfte Deutsche vorstellen könnte, eine „Sarrazin-Partei“ zu wählen, macht unserer Meinung eine linksradikale Intervention umso notwendiger.

Vortrag und Diskussion zur Debatte um Thilo Sarrazin.
Donnerstag, den 23. September 2010
18:00 | Q1, Bergisch Gladbach

Veranstaltet von der Gruppe conflict

Schicksal der Familie Franken

Hilfe erfuhren wir jüngst durch Dr. Dieter Heinzig aus Erftstadt. Heinzig hat genaueres über das Schicksal der Familie Franken recherchiert und uns mitgeteilt:

Ich habe wegen der Familie Franken die beiden maßgeblichen Dokumentationen überprüft mit dem folgenden Ergebnis:

Gedenkbuch des Bundesarchivs

Hier sind alle drei Frankens aufgeführt:

Salomon Franken, geb. 16. März 1890 in Friesheim, wohnhaft in Friesheim
Deportation ab Köln 15. Juni 1942, Theresienstadt, Ghetto
6. Oktober 1944, Auschwitz, Vernichtungslager

Else Franken, geb. Weisbecker, geb. 16. Januar 1898 in Fischborn, wohnhaft in Friesheim
Deportation ab Köln 15. Juni 1942, Theresienstadt, Ghetto
6. Oktober 1944, Auschwitz, Vernichtungslager

Jakob Franken, geb. 10. Februar in Buchheim, wohnhaft in Friedheim
Deportation ab Köln 15. Juni 1942, Theresienstadt, Ghetto
6. Oktober 1944, Auschwitz, Vernichtungslager

(Kommentar: Jakob schreibt sich also mit k, nicht, wie von Ihnen angegeben, mit c. Es kann kein Zweifel daran bestehen, dass die drei in Auschwitz ins Gas geschickt wurden, und zwar aller Wahrscheinlichkeit noch im Oktober 1944. Wer sofort nach der Ankunft vergast wurde, wurde üblicherweise nicht registriert.)

Datenbank des NS-Dokumentationszentrums der Stadt Köln

Hier fehlen die Namen der drei Frankens. Die Datenbank ist aber auf dem Erkenntnisstand des Jahres 1995. Man kann dort nachfragen, ob inzwischen neue Erkenntnisse vorliegen.

Wir danken herzlich für die Unterstützung bei der Recherche!

Der Historiker initiierte bereits im vergangenen Jahr die Verlegung von Stolpersteinen im Ortsteil Liblar. In diesem Zusammenhang äußerte er bereits das Bestreben Jugendliche über Rechtsradikalismus aufklären zu wollen. Zudem engagiert er sich im „Netzwerk für Migration und Integration“ im Rhein-Erft-Kreis und in der Evangelischen Friedenskirchengemeinde von Liblar.