Archiv für Oktober 2010

Stellungnahme zur Debatte um Agnes Miegel

In dem, in der letzten Ausgabe der „Werbe Post“, erschienen Artikel wird die Agnes-Miegel-Gesellschaft umfangreich zitiert. Ein Blick auf das Leben Agnes Miegels nach 1945 und eine genauere Betrachtung ihrer Tätigkeit im Nationalsozialismus offenbaren ein anderes Bild.
Hat sich Agnes Miegel wirklich vom Nationalsozialismus distanziert bzw. hat sie diese Ideologie nie geteilt?

Im Nationalsozialismus verfasste sie zahlreiche nazistische Gedichte (z.B. „An Deutschlands Jugend“, „An den Führer“ und „Dem Führer“). Außerdem war sie Mitglied der NSDAP, der NS-Frauenschaft und wurde von der Hitlerjugend auf Grund ihrer NS-Lyriken geehrt. [1]
Erwiesen ist außerdem, dass sie „Exklusivbeiträge“ für die extrem rechte Zeitschrift „Nation Europa“ geschrieben hat. [2] Die Monatszeitung wurde 1951 vom ehemaligen SS-Sturmbannführer und „Chef der Bandenbekämpfung“ im Führerhauptquartier, Arthur Ehrhardt und dem Schriftsteller und ehemaligen SA-Obersturmführer Herbert Böhme gegründet. [3] Sogar der Verfassungsschutz NRW nennt die Zeitschrift ein „wichtiges“ rechtsextremistisches Theorie- und Strategieorgane in der Bundesrepublik Deutschland. [4] Das „Collegium Humanum“, ein auf Grund von Antisemitismus inzwischen verbotener Verein, veranstaltete noch im 21. Jahrhundert ein Wochenendseminar in Vlotho [5] mit dem Thema: „Ostpreußens Beitrag zur Kultur Europas – Schwerpunkt Agnes Miegel und Ordensstaat.“. Auch über ihren Tod hinaus ist sie damit für Rechtsradikale und Neonazis ein Anziehungspunkt geblieben. [6]

Auf der Internetseite der Agnes-Miegel-Gesellschaft wird eine CD angeboten, auf der Gisela Limmer von Massow zusammen mit dem Wiener Neofaschisten Walter Marinovic Gedichte von Miegel rezitiert. [7] Marinovic war bereits mehrfach Referent auf Veranstaltungen der NPD. [8]

Die in der britischen Besatzungszone lebende Miegel wurde zwar rehabilitiert; allerdings ist auch hier eine genauere Betrachtung nötig. Ab dem Frühjahr 1946 wurden Deutsche von den Briten offiziell an der Durchführung der Entnazifizierung beteiligt. Bereits Ende 1947 legen die Briten die Verantwortung für die Entnazifizierung weitgehend in deutsche Hände. [9] Das Entnazifizierungsurteil Miegels stammt aus dem Jahr 1949. Es ist daher nicht verwunderlich, dass es hieß sie sei „entlastet“. Schließlich waren die Anfangsjahre der BRD durch eine Schlussstrichmentalität und Schuldverdrängung gekennzeichnet. Die Verantwortung für das Entnazifizierungsurteil lag also längst in deutschen Händen und nicht mehr bei den Alliierten. Von diesen hingegen war Miegel bis 1949 von einem Veröffentlichungsverbot belegt. [10] In der Bundesrepublik hingegen kam sie zu Ansehen. Ehrenbürgerschaften wurden ihr verliehen, Schulen und Straßen nach ihr benannt. Im Geiste blieb sie der undemokratischen bis neonazistischen Rechten verfallen. Dieses Versäumnis behebt die Stadt Erftstadt – nach Jahrzehnten – endlich. Das ist gut so und die Verantwortlichen der Agnes-Miegel-Gesellschaft sollten endlich aufhören sich diesen Tatsachen zu verschließen.

Für die Stadt Erftstadt kann es nur eine moralisch tragbare Entscheidung geben: die Straße nach einem Opfer des Nationalsozialismus zu benennen. Wir haben deswegen Salomon Franken als neuen Namensgeber vorgeschlagen. Seine heute in Israel lebende Familie sympathisiert mit unserer Forderung an die Stadt. [11] Denn es geht darum zu zeigen, dass nicht NS-Täter geehrt, sondern NS-Opfern gedacht wird. Es geht darum zu zeigen, dass kein Schlussstrich unter die deutsche Geschichte gezogen wird!

Erftstadt, 24.10.2010
Luca Plette für die Antifa Erftstadt

Antifa Erftstadt
c/o Infoladen
Ludolf-Camphausen-Str. 36
50672 Köln

Quellen:
[1] Ernst Klee: Das Kulturlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945. S. Fischer, Frankfurt am Main 2007, S. 409.
[2] http://www.ivz-online.de/lokales/kreis_steinfurt/neuenkirchen/1274022_Agnes_Miegel_die_Hitler_Verehrerin.html
[3] Anton Maegerle, Globalisierung aus Sicht der extremen Rechten, Braunschweig 2005, S. 57
[4] http://www.im.nrw.de/sch/348.htm
[5] http://nrw.vvn-bda.de/bilder/Lagerzeitung.pdf
[6] http://www.salzekurier.de/Berichte_09/090201_Agnes_Miegel.html
[7] http://www.preussenversand.de/Ostpreussen/CDs/-Hoerspiele/Verlorene-Heimat-CD::3162.html
[8] www.gruene.at/uploads/media/Marinovic.pdf
[9] http://www.wdr.de/themen/politik/deutschland/wiederaufbau/entnazifizierung/index.jhtml
[10] http://www.nrw.vvn-bda.de/texte/0372_schule.htm
[11] http://twitter.com/LucaPlette/status/28399601716

Jahresabschlussversammlung der Freien Kräfte Köln

Am Freitag, den 8. Oktober 2010 trafen sich etwa 100 Nazis um den „Jahresabschluss“ in einer Kölner Kneipe zu feiern. Der Abend stand unter dem Motto „Der nationale Sozialismus marschiert“. Redner waren Paul Breuer und Axel Reitz von den Freien Kräften Köln, Sascha Krolzig (Kameradschaft Hamm), Ralph Tegethoff aus dem Rhein-Sieg-Kreis, Stephan Flug (Kreisvorsitzender der NPD Siegen), Jürgen Mosler aus Oberhausen, René Laube von der Kameradschaft Aachener Land und Dieter Riefling, der einst für die später erbotene FAP im Ruhrgebiet unterwegs war und jetzt in Niedersachsen lebt. Später „sorgten zwei Liedermacher für ausgelassene Stimmung“.

Inhaltlich dürften die Redner auf Konfrontation zur NPD-NRW gegangen sein, die erst kürzlich entschied sich vom radikalen Neonazismus abzugrenzen und stattdessen bürgernaher aufzutreten. Mit dieser Entscheidung einher ging die Abwahl von Ingo Haller (ehem. Vorsitzender der NPD-Düren und damit ebenfalls zuständig für die NPD Ortsgruppen im Rhein-Erft-Kreis und Euskirchen) aus dem NPD-Landesvorstand. Die eng mit der Dürener NPD verwobene Kameradschaft Aachener Land kündigte daraufhin an, die NPD-NRW künftig als „Feind“ zu betrachten.

Zwei Tage später – am Sonntag – wurden sechs von etwa 20 Neonazis von der Kölner Polizei festgesetzt, die in der Judengasse versucht hatten das Straßenschild zu beschädigen. Bei Eintreffen der Polizei attackierten sie die Beamten, die letzlich jedoch einen Bruchteil der Gruppe festnehmen konnte. Die Personen kamen aus dem Raum Aachen.

Die Jahresabschlussversammlung fand letztes Jahr in Erftstadt-Gymnich statt und war Ausgangspunkt für politische Konsequenzen seitens der Stadt.

(Kurzbericht. Beitrag wird in den nächsten Tagen ergänzt und vervollständigt)

Bericht: Kundgebung gegen Agnes-Miegel-Straße

Erstveröffentlichung auf Indymedia.
Am Dienstag, den 5. Oktober 2010 haben „rund 30 Mitglieder der Antifa Erftstadt“ (Kölner Stadt-Anzeiger) für die Umbenennung der Agnes-Miegel-Straße im Stadtteil Friesheim, in Salomon-Franken-Straße demonstriert. Agnes Miegel war eine nationalsozialistische Dichterin und gilt heute vor allem für sogenannte deutsche „Heimatvertriebene“ als Bezugsperson. Die Antifa kämpft dafür, dass die Straße nach dem letzten Vorbeter der Friesheimer Synagoge – Salomon Franken – benannt wird.

Obwohl die Kundgebung unter dem Motto „Kein Vergeben den NS-TäterInnen – Kein Vergessen den NS-Opfern!“ mittags und unter der Woche stattfand, fanden sich etwa 30 Personen im zentralen Ort in Erftstadt-Liblar ein, um in unmittelbarer Nähe zur Ratssitzung ihrer Forderung Nachdruck zu verleihen. Schon einige Wochen vorher wurde die Straße symbolisch mit einem selbst gebastelten Namensschild überklebt. Gemeinsam mit lokaler und regionaler ideeller Unterstützung gelang es bereits, eine definitive Umbenennung der Straße zu erwirken.
…weiterlesen bei Indymedia.

Redebeiträge:

Antifa Erftstadt zur Debatte um die Agnes-Miegel-Straße

conflict über die Entwicklung des Antisemitismus

Antifa Erftstadt über das Leben von Salomon Franken

A2K2 [westliches Ruhrgebiet] über das Verhältnis von Kapitalismus und nationalsozialistischer Ideologie

conflict über die Debatte um Thilo Sarrazin

Jugendantifa Erftstadt über die Neonaziszene in Erftstadt