Archiv für Januar 2011

AG’s „Courage“ stellen Projekt im NS-Dokumentationszentrum aus

Erftstadt/Köln. Mit einem Beitrag zum Jugend- und Schüler-Gedenktag beteiligen sich die AG Courage vom Gymnasium Lechenich in Kooperation mit der AG Courage des Ville-Gymnasiums an einer Ausstellung im NS-Dokumentationszentrum der Stadt Köln. Auch eine Schülergruppe des lechenicher Gymnasiums hat sich mit einem eigenen Projekt in die alljährlich stattfindenden Sonderausstellung eingebracht.

Die AG’s haben eine „braune Tonne“ erstellt, „die der fachgerechten Entsorgung von Nazipropaganda dient.“ Sollten extrem rechte Parteien vor der Schule mit Propaganda um Jugendliche werben, kommt die künstlerisch umgestaltete Tonne zum Einsatz. Naziflyer können hier weggeworfen und Informationen über Neonazis stattdessen erhalten werden. Dafür stehen in einem an der Tonne befestigtem Korb Informationsflyer der Kampagne „Kein Bock auf Nazis“ bereit. Mit diesem Beitrag verlies die Ausstellung den rein historischen Anspruch und legte ihr Augenmerk auch auf den Neonazismus.
Die AG’s waren einige Wochen zuvor vom CDU-Stadtverordneten Christian Kirchharz diskreditiert worden. Ihnen wurde beweislos die Kooperation mit der „linksextremistischen Antifa“unterstellt, wovon sich die Schüler_innen aber offenbar nicht beeindrucken lassen und ihre Arbeit ungebrochen fortsetzen. Auch die Schulleitungen und die Stadtverwaltung erteilten dem CDU-Verodneten eine eindeutige Absage [PDF].

Auch der Wahlpflichtkurs Geschichte/Politik der Jahrgangsstufe 8 am Gymnasium Lechenich hat sich mit einem eigenen Projekt an der Ausstellung beteiligt. Sie recherchierten zum Lebensweg jüdischer Erftstädter, die Opfern des Nationalsozialismus wurden. Auf Plakaten und in Mappen werden ihre Ergebnisse im Rahmen der Ausstellung präsentiert.

Mit dem Jugend- und Schüler-Gedenktag wird an den 27. Januar 1945 erinnert, an dem die Überlebenden des Konzentrationslagers in Auschwitz von sowjetischen Soldaten befreit wurden. Die Sonderausstellung findet dieses Jahr bereits zum 14. Mal statt und ist noch bis zum 20. Februar innerhalb der regulären Öffnungszeiten des NS-DOK zu besichtigen.

Presse:

Wenn dem „gesunden Volksempfinden“ das Streichholz gereicht wird…

Text geklaut von der Autonomen Neuköllner Antifa [ANA]

Eine Reihe von Brandanschlägen auf islamische Einrichtungen in Berlin sorgt in den letzen Monaten zunehmend für Aufsehen. Eine Debatte um Integration, in der Sozialchauvinist_innen a la Thilo Sarrazin den Takt angeben, bietet den Eruptionen rassistischer Gewalt den passenden ideologischen Rahmen.

In den Berliner Bezirken Neukölln und Tempelhof ist es im Verlaufe des Jahres 2010 zu einer Reihe von Brandanschlägen auf Moscheen gekommen. Dass bei diesen Angriffen weder Menschen verletzt wurden noch größere Sachschäden entstanden, ist alleine der Tatsache zu verdanken, dass die Feuer frühzeitig entdeckt wurden oder in Folge von dilettantischer Ausführung die Brandquellen von selbst erloschen. Von November bis Anfang Dezember kam es innerhalb von drei Wochen zu drei versuchten Brandstiftungen. Am frühen Morgen des 28.Novembers entdeckte ein Gemeindemitglied, dass Unbekannte an einem Seiteneingang der Al-Nur-Moschee in der Haberstraße mittels einer brennbaren Flüssigkeit ein Feuer gelegt hatten. Bereits eine Woche zuvor musste der Hausmeister der Moschee am Columbiadamm morgens eine brennende Propangasflasche löschen, die an der Rückwand eines Nebengebäudes der Moschee abgelegt worden war. Nach Angaben der Gemeinde war dies bereits der vierte Anschlag dieser Art im Jahre 2010. Der bisher letzte und spektakulärste Anschlag ereignete sich am Morgen des 10. Dezembers. In Berlin-Tempelhof warfen Unbekannte einen Molotov-Cocktail gegen ein islamisches Kulturzentrum und setzten so Teile der Fassade in Brand. Auch wenn die Täter_innen bisher nicht gefasst werden konnten, ist von einem rassistischen Hintergrund der Taten auszugehen. Fakt ist, dass die deutsche Geschichte nach 1990 gekennzeichnet ist von einer Kontinuität rechter Gewalt. Tatsache ist auch, dass die Ursachen der jeweiligen Eskalation rechter Gewalt dort ihren Ursprung haben, was üblicherweise als Mitte der Gesellschaft bezeichnet wird. Als Anfang der neunziger Jahre die Flüchtlingsheime brannten, fanden die Täter_innen den ideologischen Nährboden für ihre Taten im aufkeimenden neuen deutschen Nationalismus, der sich konkret in einer rassistischen Debatte über Migration und das Recht auf Asyl äußerte. Eine Debatte die schließlich mit der faktischen Abschaffung des Asylrechts 1993 gekrönt wurde. Ähnlich wie in der Vergangenheit, muss davon ausgegangen werden, dass es sich auch bei den aktuellen Brandanschlägen auf Moscheen, nicht wie von den Medien vielfach suggeriert wird, um Taten fernab jeglicher gesellschaftlicher Debatten handelt. Vielmehr nehmen die Täter_innen, ob es sich nun um Neonazis oder unorganisierte Rassist_innen handelt, mit ihren Anschlägen offensichtlich Bezug auf die seit Monaten in Deutschland mal wieder besonders heftig grassierende Integrationsdebatte. Den aktuellen Impuls ihrer rassistischen Aufladung verdankt sie dabei einem sozialdemokratischen ehemaligen Bundesbanker und Berliner Finanzsenator.
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