Archiv für Januar 2012

Veranstaltung: „Einmal Partisan – immer Partisan“

Hiermit möchten wir euch auf eine interessante Veranstaltung am 27. Januar in Köln aufmerksam machen.

Film und Vortrag von Jürgen Weber, Konstanz

Das Buch „Einmal Partisan – immer Partisan“ dokumentiert sechs Berichte und Interviews ehemaliger Angehöriger von Partisanenverbänden in den Bergen rund um Turin, von Arbeitern in den Fabriken der Stadt, die mit dem Partisanenkampf in Verbindung standen, von nach Deutschland deportierten Widerstandskämpfern und von Anna Maria Follo, die sich entschloss, nicht mehr Nachrichten zwischen der Stadt und den Verbänden der Partisanen zu überbringen, sondern als eine der ersten Frauen im Piemont mit der Waffe in den Bergen blieb.

Die Interviews entstanden zwischen 1993 und 2010 und gehören zu den letzten Dokumenten von Zeitzeuginnen und Zeitzeugen, die noch aus eigenem Erleben über den Faschismus und den Widerstand im Piemont berichten können. Bei Redaktionsschluss lebten nur noch wenige der Befragten. Die Interviews und Erzählungen des Autors über die Begegnungen mit den Zeitzeuginnen und Zeitzeugen geben in eindrücklicher und authentischer Weise Auskunft über diese Menschen sowie Einblicke in Struktur und Alltag des Widerstandskampfes.

Die damals oft nicht einmal 20-Jährigen setzten sich nur in der vagen Hoffnung auf eine bessere und gerechtere Zukunft den Gefahren von Verhaftung, Deportation, Hinrichtung oder grausamen Massakern aus und so verloren allein im Piemont über 1000 von ihnen ihr junges Leben.

Eine Veranstaltung der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antfaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA) Köln in Kooperation mit der DGB-Jugend Köln und der Sozialistischen Jugend Deutschlands – Die Falken KV Köln.

Freitag, 27. Januar 2012, 19 Uhr
DGB-Haus Köln
Hans-Böckler-Platz 1

Der Eintritt ist frei, um Spenden wird gebeten.

Eifel: Brauner Kosmos in schwarzer Einöde

Folgender Aufsatz über die Eifler Naziszene erschien am 16. Januar 2012 unter dem Titel „Brauner Kosmos in schwarzer Einöde“ beim Störungsmelder. Zu besagten Morddrohungen in Euskirchen siehe auch: Morddrohungen in Euskirchen (27. November 2011)

Von Max Bassin

Neonazis aus Euskirchen bei einem Aufmarsch 2011 in Stolberg © D. Clemens

Im November wurden eine 16-Jährige und ihre Familie in Euskirchen (Eifel) von Neonazis mit dem Tode bedroht. In der Lokalzeitung erklärte der CDU-Landtagsabgeordnete Klaus Voussem daraufhin er habe sich bei der Polizei informiert und habe dort erfahren, dass es „keine organisierte rechte Szene gibt“. Doch seit 2007 existiert mit den „Freien Nationalisten Euskirchen“ (FNE) eine aktive und gut vernetzte neonazistische Kameradschaft in der nordrhein-westfälischen Provinz, die auf langjährig gewachsene Strukturen und umfangreiche Infrastruktur zurückgreifen kann. Eilig beschloss der Rat der Stadt im Angesicht der medialen Berichterstattung als auch anlässlich der Zwickauer Nazi-Zelle eine Resolution gegen rechts. Geholfen ist der bedrohten Schülerin damit nicht – und die Kameradschaft wird so auch nicht gestoppt. Ein Blick auf die organisierte rechte Szene in der Eifel. (mehr…)

Oktober: Hausdurchsuchungen und wirkungsloser Verfassungsschutz in Erftstadt

[Bericht mit starker Verspätung – die Vorfälle sollen trotzdem (auch) hier dokumentiert sein]

Im Februar griffen Neonazis am Rande einer Demonstration in Dresden das linke Wohnprojekt „Praxis“ an. Die Polizei schaute zu und schritt nicht ein. Unter den Angreifern waren auch zahlreiche Neonazis aus NRW. Die Staatsanwaltschaft des Freistaat Sachsen bewies im Nachgang des Aufmarsches abermals eindrucksvoll, dass ihr an einer Verfolgung von Blockierer*innen und einer umfangreichen Handyüberwachung von Nazigegner*innen mehr als an der Verfolgung von Neonazis gelegen ist. Umso überraschender war es, dass es im November doch noch Hausdruchsuchungen wegen des Naziangriffs gab – auch in Erftstadt.

Durchsucht wurden am 13. Oktober die Wohnungen von Ingo Haller (Niederzier, ehemaliger Kreisvorsitzender der NPD Düren) Paul Breuer (Köln, Mitglied der „Freien Kräfte Köln“), Sebastian Ziesemann (Erftstadt, Mitglied der „Freien Kräfte Köln“) und drei weiteren Personen aus dem Rheinland. Dabei wurden unter anderem Computer, Speichermedien, Mobiltelefone und eine Fotokamera sichergestellt.

Verfassungsschutz bittet um Pläuschchen
Mitarbeiter des Verfassungschutz suchten, laut Auskunft der Neonazis, 10 Tage später das Gespräch mit Sebastian Ziesemann. Dieser, so heißt es auf einer Naziseite, „reagier[t]e genau richtig und verweigerte jedes weitere Gespräch mit den Agenten“. „Offenbar“ habe „die erfolgreiche Aufbauarbeit nationaler Strukturen im Rheinland“ den Verfassungsschutz „aufgeschreckt“.

Ganz konkret zeigt sich auch an diesem lokalen Beispiel die Wirkungslosigkeit des Verfassungsschutzes bei der Eindämmung neonazistischer Strukturen. Schon der Versuch einen „offen mit Gesicht und Namen für seine Überzeugung einstehenden Kameraden“ zur Kooperation mit dem Staat zu bewegen mutet komisch an. Denkbar schlecht auch der Zeitpunkt – zehn Tage nach der Durchsuchung durch die Polizei. War das Verhältnis zum, und das Vertrauen in den Staat doch gerade zu diesem Zeitpunkt mehr denn jeh belastet. Der „Anquatschversuch“ durch den Verfassungsschutz kommt etwa fünf Jahre zu spät. Chancen auf Erfolg hätte das vielleicht gehabt als Ziesemann damals seinen NPD Mitgliedsantrag unterschrieb – und nicht erst nach zahlreichen Straftaten, diversen politischen Aktivitäten und einem Rückzug aus dem bürgerlichem Leben.

Die Aktivitäten erftstädter Neonazis gehen unterdessen munter und unbeeindruckt vom Verfassungsschutz weiter. Bereits Anfang Dezember wurden in einer einzigen Nacht massive Sprühereien in Erftstadt, Wesseling und Leverkusen angebracht.

Pressemitteilung: Polizei durchsucht Wohnungen von Erftstädter, Kölner und Dürener Neonazis [PDF] (15. Oktober 2011)