Archiv der Kategorie '01 extrem Rechts in Erftstadt'

Protest gegen Nazihuldigung in Erftstadt-Herrig

Erstveröffentlichungen auf de.Indymedia.org und linksunten.Indymedia.org

Etwa zwei Dutzend Antifaschist*innen haben am Samstag den 18. Juni spontan gegen eine offenbar von rechtsradikalen Bürger*innen geplante Mahnwache demonstriert. Personen erschienen zu der nicht angemeldeten Mahnwache nur vereinzelt. Im Anschluss verteilten Antifas im Nachbarort Lechenich Flyer zur neuen Antifa-Kampagne „…bis die Scheiße aufhört! Den rechten Konsens brechen!“.

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Nazidemo in Berlin mit Kölner Beteiligung

An dem – eigentlich von Polizei und Naziszene streng geheim gehaltenen – Naziaufmarsch in Berlin Neukölln und Kreuzberg beteiligten sich auch Personen aus dem Großraum Köln. Im Zuge der Demonstration griffen die Neonazis, teilweise bewaffnet, Gegendemonstrant_innen und Migrant_innen an.

Mehrere dieser Angreifer_innen warten noch auf ihre Identifizierung.

Aus dem Großraum Köln beteiligten sich an der Demonstration:

  • Paul Breuer, Köln
  • Axel Wolfgang Reitz, Pulheim
  • Sebastian Ziesemann, Erftstadt
  • Fabian Meyer, Wuppertal
  • sowie mindestens eine weitere Person

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Sowohl Breuer als auch Ziesemann waren erst im Februar an einem gewalttätigem Angriff auf das linke Wohnprojekt „Praxis“ in Dresden beteiligt gewesen.

Strengthening the Myth of Stolberg

Erftstadt. Nach eigener Auskunft wollen Neonazis aus dem Umfeld der „Freien Kräfte Köln“ 500 Flugblätter in der Nacht von Montag auf Dienstag im Erftstädter Stadtteil Bließheim verteilt haben. Dabei wurden auch zahlreiche Aufkleber verklebt. Die Propaganda wirbt für einen Neonaziaufmarsch am kommenden Wochenende in Stolberg.

An den jährlich stattfindenden Aufmärschen beteiligen sich inzwischen mehrere hundert Neonazis. Der Tod eines jungen Mannes, der im Zuge eines unpolitischen Streits unter Jugendlichen getötet wurde, stilisiert die hiesige Naziszene zum Audruck eines „antideutschen Rassismus“. Die fiktiv konstruierte deutsche Opferrolle ist Grundlage und moralische Legitimation zur Ausgrenzung bis hin zu Mord an allen als „nichtdeutsch“ identifizierten Menschen, also jenen, die nicht Teil des konstruierten nationalen Kollektivs sein dürfen, sondern als Bedrohung der Eigengruppe angesehen werden. Jeder Aufmarsch und jede (Mobilisations-)Aktion hat eine bestärkende Wirkung für den Zusammenhalt innerhalb der Szene und propagiert den eigens geschaffenen Mythos zugleich öffentlich.

Bereits im vergangenen Jahr hatten Neonazis unter anderem in Pulheim und Erftstadt mit Sprühaktionen auf die Demonstrationen aufmerksam gemacht. Dazu bekannten sich später indirekt die „Nationalen Sozialisten Erftstadt“, deren tatsächliche Existenz sich jedoch als Farce herausstellte. Die Stadt Erftstadt reagierte auf den (nazistischen) Vandalismus mit (erfolglosen) Strafanzeigen gegen „Unbekannt“. Ermittlungen liefen auch gegen Menschen, die sich gegen Nazis engagieren.

Liblarer Neonazi beteiligt an gewalttätigem Überfall auf linkes Wohnprojekt

Dresden/Erftstadt. Wie schon bereits vor einem Jahr fuhren auch dieses Jahr wieder Neonazis aus der Region Köln zum größten Neonaziaufmarsch Europas nach Dresden. Abermals beteiligten sich der Liblarer Neonazi Sebastian Ziesemann an Ausschreitungen. Dieses Jahr war er an einem Überfall auf das linke Wohnprojekt „Praxis“ beteiligt, nachdem er drei Wochen zuvor noch „gegen linke Gewalt“ in Wuppertal demonstriert hatte.


(Angreifer aus dem Video)


(Sebastian Ziesemann auf einer Neonazidemonstration am 30. Oktober 2010 in Velbert)

…und Schuld sind die „Ausländer“. Wenn die SPD selbstgefällig über „Rechtsextremismus“ redet

Erftstadt. Für den 16. Februar 2011 hatte die SPD zum „Talk“ unter dem Motto „Rechtsextremismus – immer noch aktuell?!“ ins Rathaus gebeten. Geladene Talkgäste waren Hans-Peter Killguss von der Info- und Bildungsstelle gegen Rechtsextremismus der Stadt Köln und Sandy Auert, die Integrationsbeauftragte der Stadt Erftstadt.

Die Ankündigung, dass „nur wer sich an das Gestern erinnert und die heutige Situation richtig analysiert, […] die Herausforderungen von Morgen meistern [kann]“ (Uwe Wegner, Foto, Vorsitzender der SPD Erftstadt) ließ große Erwartungen aufkommen. Erftstadt hatte im letzten Vierteljahr zwei polarisierende Debatten geführt, die ebenfalls Thema des Talks sein sollten, allerdings – laut ZuhöhrerInnen – nicht angesprochen wurden. Zum einen die Auseinandersetzung um die Agnes-Miegel-Straße im dörflich geprägten 3.000-Einwohner_innen Stadteil Friesheim [1] und zum anderem ein Referat, das angeblich von einem Mitglied der „Antifa Erftstadt“ am Gymnasium Lechenich gehalten wurde [2].

Dass sich „Erftstadts Sozialdemokraten“ auch „weiterhin gegen rechtsextreme Tendenzen aussprechen und einsetzen [werden]“ ist ein Hohn gegenüber allen, die sich tatsächlich gegen Nazis engagieren und dafür mitunter von der etablierten Politik in ihrem Tun behindert und verunglimpft werden. Die SPD hat, abgesehen von dieser populistisch wirksamen Veranstaltung, keine Maßnahme „gegen Rechtsextremismus“ getroffen und keine Betroffenen unterstützt.

Im negativen Sinne gekrönt wird die ernüchternde Praxis von dem grundfalschen Fazit des Abends, dass „ein wesentlicher Schlüssel“ im Kampf gegen „rechtsextreme[s] Gedankengut“ eine „erfolgreiche Integrationsarbeit“ sei. Problem sind dem nach also nicht mehr die Neonazis und Rassisten (also jene die diskriminieren und gewalttätig werden) sondern diejenigen, die Opfer von Diskriminierung und rassistischer Gewalt werden. Abgesehen davon ist es Neonazis völlig egal, wie sich „Ausländer“ verhalten. Ihrem Weltbild nach ist in einem „weißen Europas der Vaterländer“ grundsätzlich kein Platz für all diejenigen, die sie als „undeutsch“ eingeteilt haben.

Stattdessen hätte sich die SPD den Fragen widmen können und müssen, wieso soziale Fragen ethnisiert, gesellschaftliche Probleme auf vermeintlich „Andere“ projeziert werden und wie man diejenigen unterstützen kann, die Opfer von Diskriminierung und rassistischer Gewalt werden.

[1] http://antifaaktionerftstadt.blogsport.de/agnes-miegel/
[2] http://www.rhein-erft-online.ksta.de/html/artikel/1288741315534.shtml & http://antifaaktionerftstadt.blogsport.de/2011/01/26/ags-courage-stellen-projekt-im-ns-dokumentationszentrum-aus/

AG’s „Courage“ stellen Projekt im NS-Dokumentationszentrum aus

Erftstadt/Köln. Mit einem Beitrag zum Jugend- und Schüler-Gedenktag beteiligen sich die AG Courage vom Gymnasium Lechenich in Kooperation mit der AG Courage des Ville-Gymnasiums an einer Ausstellung im NS-Dokumentationszentrum der Stadt Köln. Auch eine Schülergruppe des lechenicher Gymnasiums hat sich mit einem eigenen Projekt in die alljährlich stattfindenden Sonderausstellung eingebracht.

Die AG’s haben eine „braune Tonne“ erstellt, „die der fachgerechten Entsorgung von Nazipropaganda dient.“ Sollten extrem rechte Parteien vor der Schule mit Propaganda um Jugendliche werben, kommt die künstlerisch umgestaltete Tonne zum Einsatz. Naziflyer können hier weggeworfen und Informationen über Neonazis stattdessen erhalten werden. Dafür stehen in einem an der Tonne befestigtem Korb Informationsflyer der Kampagne „Kein Bock auf Nazis“ bereit. Mit diesem Beitrag verlies die Ausstellung den rein historischen Anspruch und legte ihr Augenmerk auch auf den Neonazismus.
Die AG’s waren einige Wochen zuvor vom CDU-Stadtverordneten Christian Kirchharz diskreditiert worden. Ihnen wurde beweislos die Kooperation mit der „linksextremistischen Antifa“unterstellt, wovon sich die Schüler_innen aber offenbar nicht beeindrucken lassen und ihre Arbeit ungebrochen fortsetzen. Auch die Schulleitungen und die Stadtverwaltung erteilten dem CDU-Verodneten eine eindeutige Absage [PDF].

Auch der Wahlpflichtkurs Geschichte/Politik der Jahrgangsstufe 8 am Gymnasium Lechenich hat sich mit einem eigenen Projekt an der Ausstellung beteiligt. Sie recherchierten zum Lebensweg jüdischer Erftstädter, die Opfern des Nationalsozialismus wurden. Auf Plakaten und in Mappen werden ihre Ergebnisse im Rahmen der Ausstellung präsentiert.

Mit dem Jugend- und Schüler-Gedenktag wird an den 27. Januar 1945 erinnert, an dem die Überlebenden des Konzentrationslagers in Auschwitz von sowjetischen Soldaten befreit wurden. Die Sonderausstellung findet dieses Jahr bereits zum 14. Mal statt und ist noch bis zum 20. Februar innerhalb der regulären Öffnungszeiten des NS-DOK zu besichtigen.

Presse:

Veranstaltungstipps

1) Kulturbeben 2010 in Euskirchen

Donnerstag, 6. Januar 2011 · 19:00 Uhr
Ort: Cityforum Euskirchen
Hochstr. 39

Am Beispiel von extrem rechten Gruppen im Rhein-Erft-Kreis werden Einstellungsebenen und Verhalten ihrer ProtagonistInnen untersucht.
Inhalte der rechtspopulistischen „Bürgerbewegung pro NRW“ werden dabei ebenso thematisiert wie moderne Erscheinungsformen der breit gefächerten Naziszene. An Hand von Musik und Propaganda der rechten Szene soll ein umfassender Einblick in die „Erlebniswelt Rechtsextremismus“ ermöglicht werden, die auf viele Jugendliche faszinierend wirkt. Auch im Hinblick auf Euskirchen und die Eifel kann im Anschluss diskutiert werden, welche Gemeinsamkeiten es zwischen der extremen Rechten im Rhein-Erft-Kreis und jener in der Eifel gibt, um sich letzendlich auch der Frage nach Präventions- und Interventionsmöglichkeiten gegen Rechtsextremismus zu widmen.

2) Ungarn auf dem Weg zur völkischen Demokratie?

Vortrag und Diskussion mit Karl Pfeifer

Dass der Rechtsextremismus in Ungarn kein randständiges Phänomen ist, wurde spätestens mit den Parlamentswahlen im April dieses Jahres deutlich: Das Wahlbündnis der völkischen Partei Fidesz errang eine Zweidrittel-Mehrheit, und die rechtsextreme Partei Jobbik konnte erstmalig ins Parlament einziehen – als drittstärkste Kraft.

Karl Pfeifer wird in seinem Vortrag die Entwicklung in Ungarn nachzeichnen, die Abhängigkeiten und Differenzen zwischen Fidesz und Jobbik darstellen sowie die Konsequenzen des Wahlausgangs analysieren.

Karl Pfeifer (*1928) lebt als Journalist und Autor in Wien. Seine Beträge erscheinen unter anderem in der Budapester Wochenzeitung Hetek und der Berliner Wochenzeitung Jungle World. Er gilt als ausgewiesener Kenner der rechten Szene in Ungarn und engagiert sich seit Jahrzehnten gegen die FPÖ.

Eine Veranstaltung von: AStA der FH Köln, Gruppe Casablanca und shutdown! Köln.

Vortragsveranstaltung | Mittwoch | 12. Januar 2011 | 19:30 Uhr |
Mevissensaal der Fachhochschule Köln | Claudiusstr.1 (Köln-Südstadt)

3) Zwischen allen Stühlen

Lebenswege des Journalisten Karl Pfeifer

Film über das Leben von Karl Pfeifer mit anschließnder Diskussion

1938 flüchtet Karl Pfeifer als Zehnjähriger mit seiner Familie aus Österreich, zunächst nach Ungarn. Vier Jahre später erreicht er Palästina mit einem der letzten Kindertransporte des Hashomer Hatzair. Er lebt im Kibbuz, kämpft im Israelischen Unabhängigkeitskrieg und kehrt Anfang der 50er Jahre nach Österreich zurück.

„In Österreich angekommen musste ich bei der Staatspolizei vorsprechen… Heimkehrer seien in Österreich nur die, die in der Wehrmacht bzw. in der Waffen SS gedient haben.“

Der Film begleitet Karl Pfeifer an zentrale Orte seines Lebensweges. Orte, an denen er antisemitischen Angriffen ausgesetzt war. Orte, an denen er seine politischen Einstellungen schärfte. Seinen Lebenswegen zu folgen bedeutet jedoch auch den Bahnen und Verstrickungen des österreichischen Antisemitismus zu folgen.

Karl Pfeifer wird an diesem Abend zu Gast sein, um nach dem Film Fragen des Publikums zu beantworten.

Filmvorführung | Donnerstag | 13. Januar 2011 |
Studiobühne der Uni Köln | Universitätsstraße 16 a |
Einlass 19.00 Uhr | Beginn 20.00 Uhr

Veranstalter:
Allgemeine Studierendenausschüsse der Fachhochschule und der Universität Köln

Unterstützt von:
Antifa AK Köln, NS-Dokumentationszentrum Köln, Gruppe shutdown! Köln, SprecherInnenrat der Philosophischen Fakultät Köln, Studiobühne Köln

Agnes-Miegel-Straße heißt nun St.-Agnes-Straße

Erstveröffentlichung auf Indymedia

Erftstadt. Nach dreimonatiger Debatte um Agnes Miegel, ausgelöst durch das symbolische Überkleben des Straßenschilds, begleitet von einer Antifa-Kundgebung, einem Antifa-Gedenken zu Ehren der Opfer des Nationalsozialismus, sowie viel Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, gelang es der Antifa Erftstadt und ihren UnterstützerInnen aus der Zivilgesellschaft eine tatsächliche Umbenennung der Agnes-Miegel-Straße zu erreichen. Der Hauptausschuss der Stadt legte Anfang Dezember den neuen Straßennamen St.-Agnes-Straße fest. Gewünscht hatten sich die AnwohnerInnen den Namen, wenn er denn überhaupt geändert werden müsse, in Agnes-Straße zu verkürzen. Die Antifa Erftstadt zog ihren eigenen Namensvorschlag – Salomon-Franken-Straße – gewählt in Gedenken an ein örtliches Opfer des Nationalsozialismus, kurzerhand zurück. Begründung: „Die sich antisemitisch und nazistisch geäußert habenden BewohnerInnen, sind nicht würdig in einer nach einem NS-Opfer benannten Straße zu leben.“

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PM zur Namensänderung der Agnes-Miegel-Straße

Antifa Erftstadt zieht eigenen Namensvorschlag für Friesheimer Straße zurück – den AnwohnerInnenvorschlag „Agnes-Straße“ betrachtet die Gruppe als „faulen Kompromiss“.

„In der Ratssitzung haben die Anwohnerinnen und Anwohner gezeigt, welch menschenfeindliche Positionen sie vertreten. Wir können nicht guten Gewissens an dem Vorschlag festhalten die Straße nach Salomon Franken umbenennen zu wollen. Die sich antisemitisch und nazistisch geäußert habenden BewohnerInnen sind nicht würdig in einer nach einem NS-Opfer benannten Straße zu leben.“, stellt Antifa-Sprecherin Luca Plette klar. Eine Anwohnerin hatten in einer Hauptausschusssitzung u.a. gesagt sie „würde auch eine Adolf-Hitler-Straße nehmen“. Ein anderer Anwohner kommentierte den Namensvorschlag der Antifa mit den Worten: „Warum muss es denn schon wieder ein Jude sein!?“ Dass eine Adolf-Hitler-Straße dem Gedankengut der AnwohnerInnen tatsächlich ehrlicher Rechnung träge, nehmen wir zur Kenntnis. Unter diesen Umständen kommt eine Benennung der Straße nach Salomon Franken überhaupt nicht mehr in Frage.

Inzwischen haben die BewohnerInnen einen eigenen Vorschlag für die Neubenennung unterbreitet.
„Eine ‘Agnes-Straße’, wie es die BewohnerInnen fordern halten wir für einen faulen Kompromiss“, erklärt Plette „schließlich ist es offensichtlich, dass hier keine tatsächliche Umbenennung geschehen soll, sondern Agnes Miegel die positivs Bezugsperson bleibt.“. Namensgeberin solle, so die AnwohnerInnen, die Heilige Agnes von Rom sein. Die Begründung Kosten zu sparen, indem man so einfach „Miegel“ aus den Briefköpfen streichen könne, ist fadenscheinig. Die Kosten einer Umbenennung gestalten sich für die AnwohnerInnen tatsächlich extrem gering, schließlich sind Änderung im Ausweis, Grundbuchänderungen und Änderungen bei Versicherungen kostenlos.

„Wir hoffen, dass den ewiggestrigen menschenfeindlichen AnwohnerInnen, die nicht bereit waren in Zusammenarbeit mit der Ortsbürgermeisterin Friesheims einen neuen Straßennamen zu wählen, nicht entgegen gekommen wird“, appelliert Plette an die Lokalpolitik.

Eine Entscheidung über den neuen Namen wird der Hauptausschuss am Mittwoch, den 1. 12. 2010 treffen.

Veranstaltungshinweise für Erftstadt


Kölner Stadt-Anzeiger vom 11. November 2010