Archiv der Kategorie '06 Geschichte'

Veranstaltung: „Einmal Partisan – immer Partisan“

Hiermit möchten wir euch auf eine interessante Veranstaltung am 27. Januar in Köln aufmerksam machen.

Film und Vortrag von Jürgen Weber, Konstanz

Das Buch „Einmal Partisan – immer Partisan“ dokumentiert sechs Berichte und Interviews ehemaliger Angehöriger von Partisanenverbänden in den Bergen rund um Turin, von Arbeitern in den Fabriken der Stadt, die mit dem Partisanenkampf in Verbindung standen, von nach Deutschland deportierten Widerstandskämpfern und von Anna Maria Follo, die sich entschloss, nicht mehr Nachrichten zwischen der Stadt und den Verbänden der Partisanen zu überbringen, sondern als eine der ersten Frauen im Piemont mit der Waffe in den Bergen blieb.

Die Interviews entstanden zwischen 1993 und 2010 und gehören zu den letzten Dokumenten von Zeitzeuginnen und Zeitzeugen, die noch aus eigenem Erleben über den Faschismus und den Widerstand im Piemont berichten können. Bei Redaktionsschluss lebten nur noch wenige der Befragten. Die Interviews und Erzählungen des Autors über die Begegnungen mit den Zeitzeuginnen und Zeitzeugen geben in eindrücklicher und authentischer Weise Auskunft über diese Menschen sowie Einblicke in Struktur und Alltag des Widerstandskampfes.

Die damals oft nicht einmal 20-Jährigen setzten sich nur in der vagen Hoffnung auf eine bessere und gerechtere Zukunft den Gefahren von Verhaftung, Deportation, Hinrichtung oder grausamen Massakern aus und so verloren allein im Piemont über 1000 von ihnen ihr junges Leben.

Eine Veranstaltung der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antfaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA) Köln in Kooperation mit der DGB-Jugend Köln und der Sozialistischen Jugend Deutschlands – Die Falken KV Köln.

Freitag, 27. Januar 2012, 19 Uhr
DGB-Haus Köln
Hans-Böckler-Platz 1

Der Eintritt ist frei, um Spenden wird gebeten.

Protest gegen Nazihuldigung in Erftstadt-Herrig

Erstveröffentlichungen auf de.Indymedia.org und linksunten.Indymedia.org

Etwa zwei Dutzend Antifaschist*innen haben am Samstag den 18. Juni spontan gegen eine offenbar von rechtsradikalen Bürger*innen geplante Mahnwache demonstriert. Personen erschienen zu der nicht angemeldeten Mahnwache nur vereinzelt. Im Anschluss verteilten Antifas im Nachbarort Lechenich Flyer zur neuen Antifa-Kampagne „…bis die Scheiße aufhört! Den rechten Konsens brechen!“.

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Edelweisspiraten: Zeitzeugengespräch in Herhahn

EdelweissDie Antifa Euskirchen/Eifel veranstaltet am 26.03.2011 in Herhahn im Sportlerheim ein Zeitzeugen Gespräch mit einem der letzten Edelweisspiraten aus Köln-Lindenthal.
Ort: Sportlerheim Herhahn, Sportplatz Ecke L207/Einruhrer Str.

Datum: Samstag 26.03.2011
Zeit: 16 Uhr (mehr…)

AG’s „Courage“ stellen Projekt im NS-Dokumentationszentrum aus

Erftstadt/Köln. Mit einem Beitrag zum Jugend- und Schüler-Gedenktag beteiligen sich die AG Courage vom Gymnasium Lechenich in Kooperation mit der AG Courage des Ville-Gymnasiums an einer Ausstellung im NS-Dokumentationszentrum der Stadt Köln. Auch eine Schülergruppe des lechenicher Gymnasiums hat sich mit einem eigenen Projekt in die alljährlich stattfindenden Sonderausstellung eingebracht.

Die AG’s haben eine „braune Tonne“ erstellt, „die der fachgerechten Entsorgung von Nazipropaganda dient.“ Sollten extrem rechte Parteien vor der Schule mit Propaganda um Jugendliche werben, kommt die künstlerisch umgestaltete Tonne zum Einsatz. Naziflyer können hier weggeworfen und Informationen über Neonazis stattdessen erhalten werden. Dafür stehen in einem an der Tonne befestigtem Korb Informationsflyer der Kampagne „Kein Bock auf Nazis“ bereit. Mit diesem Beitrag verlies die Ausstellung den rein historischen Anspruch und legte ihr Augenmerk auch auf den Neonazismus.
Die AG’s waren einige Wochen zuvor vom CDU-Stadtverordneten Christian Kirchharz diskreditiert worden. Ihnen wurde beweislos die Kooperation mit der „linksextremistischen Antifa“unterstellt, wovon sich die Schüler_innen aber offenbar nicht beeindrucken lassen und ihre Arbeit ungebrochen fortsetzen. Auch die Schulleitungen und die Stadtverwaltung erteilten dem CDU-Verodneten eine eindeutige Absage [PDF].

Auch der Wahlpflichtkurs Geschichte/Politik der Jahrgangsstufe 8 am Gymnasium Lechenich hat sich mit einem eigenen Projekt an der Ausstellung beteiligt. Sie recherchierten zum Lebensweg jüdischer Erftstädter, die Opfern des Nationalsozialismus wurden. Auf Plakaten und in Mappen werden ihre Ergebnisse im Rahmen der Ausstellung präsentiert.

Mit dem Jugend- und Schüler-Gedenktag wird an den 27. Januar 1945 erinnert, an dem die Überlebenden des Konzentrationslagers in Auschwitz von sowjetischen Soldaten befreit wurden. Die Sonderausstellung findet dieses Jahr bereits zum 14. Mal statt und ist noch bis zum 20. Februar innerhalb der regulären Öffnungszeiten des NS-DOK zu besichtigen.

Presse:

Veranstaltungstipps

1) Kulturbeben 2010 in Euskirchen

Donnerstag, 6. Januar 2011 · 19:00 Uhr
Ort: Cityforum Euskirchen
Hochstr. 39

Am Beispiel von extrem rechten Gruppen im Rhein-Erft-Kreis werden Einstellungsebenen und Verhalten ihrer ProtagonistInnen untersucht.
Inhalte der rechtspopulistischen „Bürgerbewegung pro NRW“ werden dabei ebenso thematisiert wie moderne Erscheinungsformen der breit gefächerten Naziszene. An Hand von Musik und Propaganda der rechten Szene soll ein umfassender Einblick in die „Erlebniswelt Rechtsextremismus“ ermöglicht werden, die auf viele Jugendliche faszinierend wirkt. Auch im Hinblick auf Euskirchen und die Eifel kann im Anschluss diskutiert werden, welche Gemeinsamkeiten es zwischen der extremen Rechten im Rhein-Erft-Kreis und jener in der Eifel gibt, um sich letzendlich auch der Frage nach Präventions- und Interventionsmöglichkeiten gegen Rechtsextremismus zu widmen.

2) Ungarn auf dem Weg zur völkischen Demokratie?

Vortrag und Diskussion mit Karl Pfeifer

Dass der Rechtsextremismus in Ungarn kein randständiges Phänomen ist, wurde spätestens mit den Parlamentswahlen im April dieses Jahres deutlich: Das Wahlbündnis der völkischen Partei Fidesz errang eine Zweidrittel-Mehrheit, und die rechtsextreme Partei Jobbik konnte erstmalig ins Parlament einziehen – als drittstärkste Kraft.

Karl Pfeifer wird in seinem Vortrag die Entwicklung in Ungarn nachzeichnen, die Abhängigkeiten und Differenzen zwischen Fidesz und Jobbik darstellen sowie die Konsequenzen des Wahlausgangs analysieren.

Karl Pfeifer (*1928) lebt als Journalist und Autor in Wien. Seine Beträge erscheinen unter anderem in der Budapester Wochenzeitung Hetek und der Berliner Wochenzeitung Jungle World. Er gilt als ausgewiesener Kenner der rechten Szene in Ungarn und engagiert sich seit Jahrzehnten gegen die FPÖ.

Eine Veranstaltung von: AStA der FH Köln, Gruppe Casablanca und shutdown! Köln.

Vortragsveranstaltung | Mittwoch | 12. Januar 2011 | 19:30 Uhr |
Mevissensaal der Fachhochschule Köln | Claudiusstr.1 (Köln-Südstadt)

3) Zwischen allen Stühlen

Lebenswege des Journalisten Karl Pfeifer

Film über das Leben von Karl Pfeifer mit anschließnder Diskussion

1938 flüchtet Karl Pfeifer als Zehnjähriger mit seiner Familie aus Österreich, zunächst nach Ungarn. Vier Jahre später erreicht er Palästina mit einem der letzten Kindertransporte des Hashomer Hatzair. Er lebt im Kibbuz, kämpft im Israelischen Unabhängigkeitskrieg und kehrt Anfang der 50er Jahre nach Österreich zurück.

„In Österreich angekommen musste ich bei der Staatspolizei vorsprechen… Heimkehrer seien in Österreich nur die, die in der Wehrmacht bzw. in der Waffen SS gedient haben.“

Der Film begleitet Karl Pfeifer an zentrale Orte seines Lebensweges. Orte, an denen er antisemitischen Angriffen ausgesetzt war. Orte, an denen er seine politischen Einstellungen schärfte. Seinen Lebenswegen zu folgen bedeutet jedoch auch den Bahnen und Verstrickungen des österreichischen Antisemitismus zu folgen.

Karl Pfeifer wird an diesem Abend zu Gast sein, um nach dem Film Fragen des Publikums zu beantworten.

Filmvorführung | Donnerstag | 13. Januar 2011 |
Studiobühne der Uni Köln | Universitätsstraße 16 a |
Einlass 19.00 Uhr | Beginn 20.00 Uhr

Veranstalter:
Allgemeine Studierendenausschüsse der Fachhochschule und der Universität Köln

Unterstützt von:
Antifa AK Köln, NS-Dokumentationszentrum Köln, Gruppe shutdown! Köln, SprecherInnenrat der Philosophischen Fakultät Köln, Studiobühne Köln

Agnes-Miegel-Straße heißt nun St.-Agnes-Straße

Erstveröffentlichung auf Indymedia

Erftstadt. Nach dreimonatiger Debatte um Agnes Miegel, ausgelöst durch das symbolische Überkleben des Straßenschilds, begleitet von einer Antifa-Kundgebung, einem Antifa-Gedenken zu Ehren der Opfer des Nationalsozialismus, sowie viel Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, gelang es der Antifa Erftstadt und ihren UnterstützerInnen aus der Zivilgesellschaft eine tatsächliche Umbenennung der Agnes-Miegel-Straße zu erreichen. Der Hauptausschuss der Stadt legte Anfang Dezember den neuen Straßennamen St.-Agnes-Straße fest. Gewünscht hatten sich die AnwohnerInnen den Namen, wenn er denn überhaupt geändert werden müsse, in Agnes-Straße zu verkürzen. Die Antifa Erftstadt zog ihren eigenen Namensvorschlag – Salomon-Franken-Straße – gewählt in Gedenken an ein örtliches Opfer des Nationalsozialismus, kurzerhand zurück. Begründung: „Die sich antisemitisch und nazistisch geäußert habenden BewohnerInnen, sind nicht würdig in einer nach einem NS-Opfer benannten Straße zu leben.“

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PM zur Namensänderung der Agnes-Miegel-Straße

Antifa Erftstadt zieht eigenen Namensvorschlag für Friesheimer Straße zurück – den AnwohnerInnenvorschlag „Agnes-Straße“ betrachtet die Gruppe als „faulen Kompromiss“.

„In der Ratssitzung haben die Anwohnerinnen und Anwohner gezeigt, welch menschenfeindliche Positionen sie vertreten. Wir können nicht guten Gewissens an dem Vorschlag festhalten die Straße nach Salomon Franken umbenennen zu wollen. Die sich antisemitisch und nazistisch geäußert habenden BewohnerInnen sind nicht würdig in einer nach einem NS-Opfer benannten Straße zu leben.“, stellt Antifa-Sprecherin Luca Plette klar. Eine Anwohnerin hatten in einer Hauptausschusssitzung u.a. gesagt sie „würde auch eine Adolf-Hitler-Straße nehmen“. Ein anderer Anwohner kommentierte den Namensvorschlag der Antifa mit den Worten: „Warum muss es denn schon wieder ein Jude sein!?“ Dass eine Adolf-Hitler-Straße dem Gedankengut der AnwohnerInnen tatsächlich ehrlicher Rechnung träge, nehmen wir zur Kenntnis. Unter diesen Umständen kommt eine Benennung der Straße nach Salomon Franken überhaupt nicht mehr in Frage.

Inzwischen haben die BewohnerInnen einen eigenen Vorschlag für die Neubenennung unterbreitet.
„Eine ‘Agnes-Straße’, wie es die BewohnerInnen fordern halten wir für einen faulen Kompromiss“, erklärt Plette „schließlich ist es offensichtlich, dass hier keine tatsächliche Umbenennung geschehen soll, sondern Agnes Miegel die positivs Bezugsperson bleibt.“. Namensgeberin solle, so die AnwohnerInnen, die Heilige Agnes von Rom sein. Die Begründung Kosten zu sparen, indem man so einfach „Miegel“ aus den Briefköpfen streichen könne, ist fadenscheinig. Die Kosten einer Umbenennung gestalten sich für die AnwohnerInnen tatsächlich extrem gering, schließlich sind Änderung im Ausweis, Grundbuchänderungen und Änderungen bei Versicherungen kostenlos.

„Wir hoffen, dass den ewiggestrigen menschenfeindlichen AnwohnerInnen, die nicht bereit waren in Zusammenarbeit mit der Ortsbürgermeisterin Friesheims einen neuen Straßennamen zu wählen, nicht entgegen gekommen wird“, appelliert Plette an die Lokalpolitik.

Eine Entscheidung über den neuen Namen wird der Hauptausschuss am Mittwoch, den 1. 12. 2010 treffen.

Stadt Erftstadt entscheidet: Agnes-Miegel-Straße ist passé!

Erstveröffentlichung auf Indymedia

Antifas feiern demonstrativ nach der Entscheidung.

Flyer gegen den „Bund der Vertriebenen e.V.“ [PDF]

Der Hauptausschuss entschied nach 3-stündiger Diskussion mit 13 zu zwei Gegenstimmen, die nach der nationalsozialistischen Dichterin benannten Straße umzubenennen. Alle BürgerInnen hatten die Möglichkeit im Ausschuss zu diskutieren. Die AnwohnerInnen äußerten sich offen nazistisch („Ich würde auch eine Adolf-Hitler-Straße nehmen“) und im Bezug auf den Vorschag der Antifa Erftstadt einen in der Shoah ermordeten Erftstädter Juden als neuen Namensgeber zu wählen antisemitisch („Warum muss es denn schon wieder ein Jude sein!?“). Geprägt war die Auseinandersetzung von Uneinsichtigkeit, der Relativierung von NS-Verbrechen und billigem Populismus.
AntifaschistInnen stellten noch vor Beginn der Sitzung vor dem Gebäude ein Portrait und Kerzen in Gedenken an alle Opfer des Nationalsozialismus auf. Zudem wurden sporadisch Flyer über den „Bund der Vertriebenen e.V.“ – dem politischen Sprachrohr der „Vertriebenen“ verteilt. In der Agnes-Miegel-Straße, die sich zudem in Nähe zu einem Judenfriedhof befindet, wohnten traditionell „Vertriebene“, die auch heute noch die Mehrzahl (vier) der sechs Häuser stellen.
Jetzt obliegt es den AnwohnerInnen, gemeinsam mit der Ortsbürgermeisterin, einen neuen Namen zu wählen.

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Antifa-Pressesprecherin Luca Plette erklärt abschließend: „Nach viel Öffentlichkeitsarbeit und einer langen Debatte gelang es uns, eine Umbenennung der Straße, die sich zudem in unmittelbarer Nähe zu einem Judenfriedhof befindet, zu erwirken. Die sogenannten ‚Vertriebenen‘ haben bei der Sitzung wiederholt unter Beweis gestellt, welch Geistes Kind sie sind. Wir wehren uns vehement gegen die Entkontextualisierung der ‚Vertreibung‘ und gegen Ehrungen von NS-AnhängerInnen. An diesem scheinbar banalem Beispiel eines Straßennamens wurde deutlich, dass mit dem Nationalsozialismus auch 2010 noch nicht von der Wurzel her gebrochen wurde und es keinen ‚Schlussstrich‘ unter den Nationalsozialismus geben darf. Wir werden uns auch weiterhin gegen nazistische Tendenzen in der Gesellschaft zur Wehr setzen und uns für eine würdige Art des Gedenkens an NS-Opfer einsetzen!“

Stellungnahme zur Debatte um Agnes Miegel

In dem, in der letzten Ausgabe der „Werbe Post“, erschienen Artikel wird die Agnes-Miegel-Gesellschaft umfangreich zitiert. Ein Blick auf das Leben Agnes Miegels nach 1945 und eine genauere Betrachtung ihrer Tätigkeit im Nationalsozialismus offenbaren ein anderes Bild.
Hat sich Agnes Miegel wirklich vom Nationalsozialismus distanziert bzw. hat sie diese Ideologie nie geteilt?

Im Nationalsozialismus verfasste sie zahlreiche nazistische Gedichte (z.B. „An Deutschlands Jugend“, „An den Führer“ und „Dem Führer“). Außerdem war sie Mitglied der NSDAP, der NS-Frauenschaft und wurde von der Hitlerjugend auf Grund ihrer NS-Lyriken geehrt. [1]
Erwiesen ist außerdem, dass sie „Exklusivbeiträge“ für die extrem rechte Zeitschrift „Nation Europa“ geschrieben hat. [2] Die Monatszeitung wurde 1951 vom ehemaligen SS-Sturmbannführer und „Chef der Bandenbekämpfung“ im Führerhauptquartier, Arthur Ehrhardt und dem Schriftsteller und ehemaligen SA-Obersturmführer Herbert Böhme gegründet. [3] Sogar der Verfassungsschutz NRW nennt die Zeitschrift ein „wichtiges“ rechtsextremistisches Theorie- und Strategieorgane in der Bundesrepublik Deutschland. [4] Das „Collegium Humanum“, ein auf Grund von Antisemitismus inzwischen verbotener Verein, veranstaltete noch im 21. Jahrhundert ein Wochenendseminar in Vlotho [5] mit dem Thema: „Ostpreußens Beitrag zur Kultur Europas – Schwerpunkt Agnes Miegel und Ordensstaat.“. Auch über ihren Tod hinaus ist sie damit für Rechtsradikale und Neonazis ein Anziehungspunkt geblieben. [6]

Auf der Internetseite der Agnes-Miegel-Gesellschaft wird eine CD angeboten, auf der Gisela Limmer von Massow zusammen mit dem Wiener Neofaschisten Walter Marinovic Gedichte von Miegel rezitiert. [7] Marinovic war bereits mehrfach Referent auf Veranstaltungen der NPD. [8]

Die in der britischen Besatzungszone lebende Miegel wurde zwar rehabilitiert; allerdings ist auch hier eine genauere Betrachtung nötig. Ab dem Frühjahr 1946 wurden Deutsche von den Briten offiziell an der Durchführung der Entnazifizierung beteiligt. Bereits Ende 1947 legen die Briten die Verantwortung für die Entnazifizierung weitgehend in deutsche Hände. [9] Das Entnazifizierungsurteil Miegels stammt aus dem Jahr 1949. Es ist daher nicht verwunderlich, dass es hieß sie sei „entlastet“. Schließlich waren die Anfangsjahre der BRD durch eine Schlussstrichmentalität und Schuldverdrängung gekennzeichnet. Die Verantwortung für das Entnazifizierungsurteil lag also längst in deutschen Händen und nicht mehr bei den Alliierten. Von diesen hingegen war Miegel bis 1949 von einem Veröffentlichungsverbot belegt. [10] In der Bundesrepublik hingegen kam sie zu Ansehen. Ehrenbürgerschaften wurden ihr verliehen, Schulen und Straßen nach ihr benannt. Im Geiste blieb sie der undemokratischen bis neonazistischen Rechten verfallen. Dieses Versäumnis behebt die Stadt Erftstadt – nach Jahrzehnten – endlich. Das ist gut so und die Verantwortlichen der Agnes-Miegel-Gesellschaft sollten endlich aufhören sich diesen Tatsachen zu verschließen.

Für die Stadt Erftstadt kann es nur eine moralisch tragbare Entscheidung geben: die Straße nach einem Opfer des Nationalsozialismus zu benennen. Wir haben deswegen Salomon Franken als neuen Namensgeber vorgeschlagen. Seine heute in Israel lebende Familie sympathisiert mit unserer Forderung an die Stadt. [11] Denn es geht darum zu zeigen, dass nicht NS-Täter geehrt, sondern NS-Opfern gedacht wird. Es geht darum zu zeigen, dass kein Schlussstrich unter die deutsche Geschichte gezogen wird!

Erftstadt, 24.10.2010
Luca Plette für die Antifa Erftstadt

Antifa Erftstadt
c/o Infoladen
Ludolf-Camphausen-Str. 36
50672 Köln

Quellen:
[1] Ernst Klee: Das Kulturlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945. S. Fischer, Frankfurt am Main 2007, S. 409.
[2] http://www.ivz-online.de/lokales/kreis_steinfurt/neuenkirchen/1274022_Agnes_Miegel_die_Hitler_Verehrerin.html
[3] Anton Maegerle, Globalisierung aus Sicht der extremen Rechten, Braunschweig 2005, S. 57
[4] http://www.im.nrw.de/sch/348.htm
[5] http://nrw.vvn-bda.de/bilder/Lagerzeitung.pdf
[6] http://www.salzekurier.de/Berichte_09/090201_Agnes_Miegel.html
[7] http://www.preussenversand.de/Ostpreussen/CDs/-Hoerspiele/Verlorene-Heimat-CD::3162.html
[8] www.gruene.at/uploads/media/Marinovic.pdf
[9] http://www.wdr.de/themen/politik/deutschland/wiederaufbau/entnazifizierung/index.jhtml
[10] http://www.nrw.vvn-bda.de/texte/0372_schule.htm
[11] http://twitter.com/LucaPlette/status/28399601716

Bericht: Kundgebung gegen Agnes-Miegel-Straße

Erstveröffentlichung auf Indymedia.
Am Dienstag, den 5. Oktober 2010 haben „rund 30 Mitglieder der Antifa Erftstadt“ (Kölner Stadt-Anzeiger) für die Umbenennung der Agnes-Miegel-Straße im Stadtteil Friesheim, in Salomon-Franken-Straße demonstriert. Agnes Miegel war eine nationalsozialistische Dichterin und gilt heute vor allem für sogenannte deutsche „Heimatvertriebene“ als Bezugsperson. Die Antifa kämpft dafür, dass die Straße nach dem letzten Vorbeter der Friesheimer Synagoge – Salomon Franken – benannt wird.

Obwohl die Kundgebung unter dem Motto „Kein Vergeben den NS-TäterInnen – Kein Vergessen den NS-Opfern!“ mittags und unter der Woche stattfand, fanden sich etwa 30 Personen im zentralen Ort in Erftstadt-Liblar ein, um in unmittelbarer Nähe zur Ratssitzung ihrer Forderung Nachdruck zu verleihen. Schon einige Wochen vorher wurde die Straße symbolisch mit einem selbst gebastelten Namensschild überklebt. Gemeinsam mit lokaler und regionaler ideeller Unterstützung gelang es bereits, eine definitive Umbenennung der Straße zu erwirken.
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Redebeiträge:

Antifa Erftstadt zur Debatte um die Agnes-Miegel-Straße

conflict über die Entwicklung des Antisemitismus

Antifa Erftstadt über das Leben von Salomon Franken

A2K2 [westliches Ruhrgebiet] über das Verhältnis von Kapitalismus und nationalsozialistischer Ideologie

conflict über die Debatte um Thilo Sarrazin

Jugendantifa Erftstadt über die Neonaziszene in Erftstadt