Archiv der Kategorie '09 Innerlinkes'

Kommunique des AZ Köln bezüglich Räumung

„Eine Gesellschaft, in der die bewaffnete Staatsmacht dafür sorgt, dass ein Haus seinen menschlichen Zweck nicht erfüllt, ist offenkundig verrückt.“

Seit 77 Tagen besteht das Autonome Zentrum in Köln-Kalk. In dieser Zeit haben – ganz ohne Übertreibung – zigtausende Besucher_innen in über 180 Veranstaltungen diesen besonderen Ort genutzt und selbst mitgestaltet. Das erste rechtsrheinische Kino wurde gegründet, in zahlreichen Workshops wurden Fähigkeiten weitergegeben, die wöchentliche Arbeitslosenberatung half vielen Menschen bei Problemen mit der ARGE, dutzende Konzerte verschafften lokalen Bands endlich kostenlose Auftrittsmöglichkeiten, Ausstellungen fanden ihr Publikum, politische Gruppen nutzten das Haus für ihre Arbeit – alles selbstverwaltet und unkommerziell, ohne einen Cent von der Stadt. Die Idee eines Ortes, an dem Menschen unabhängig von ihrem Geldbeutel Kultur genießen und schaffen können, ist angekommen. Das Autonome Zentrum ist seit seiner Gründung am 16. April 2010 ein voller Erfolg.

Dass dazu ein Gebäude illegal besetzt wurde, ist die eine Sichtweise. Dass die Stadtsparkasse dieses Gebäude seit fast 10 Jahren verrotten lässt und es nun zum ersten Mal wieder sinnvoll genutzt wird, die andere. „Eine Besetzung ist der falsche Weg“ erklärte uns OB Roters im gestrigen Gespräch. Wir finden: nach 1 ½ Jahren erfolgloser Gesprächsgesuche durch die Kampagne Pyranha war die Besetzung der einzig richtige Schritt.

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„Let’s push things forward!“ – Aktionstag am 8. Mai in Euskirchen

Euskirchen. Am 8. Mai fand unter dem Motto „Befreiung tut gut! – Demonstrieren, Informieren – Feiern gegen Rechts!“ ein antifaschistischer Aktionstag statt. Seit knapp drei Jahren gibt es dort die „Freien Nationalisten Euskirchen“, die mitunter eng mit der „Kameradschaft Aachener Land“ (KAL), den „Freien Kräften Köln“ (FKK) und den Neonazis vom Aktionsbüro Mittelrhein (AB-M) zusammenarbeiten. Euskirchen und die Eifel galten bis dato als Rückzugsort, in dem Nazis sich nicht mit antifaschistischer Gegenwehr konfrontiert sahen.

Anliegen der Antifa Erftstadt war es nicht, das zivilgesellschaftliche Bündnis, dem u.a. die Linkspartei, Bündnis 90/Die Grünen, sowie diverse politisch linksliberale Gruppen angehören, kritiklos zu unterstützen. In einem kritisch-solidarischen Zusammenwirken sollten eigene, linksradikale Positionen – wenn auch nicht vom Bündnis geteilt – so doch am Aktionstag an interessierte Menschen vermittelt werden. Getreu dem eigenen Motto „Let’s push things forward!“ wurde versucht, durch einen Redebeitrag, Flugblätter und einen eigenen Infostand eine tiefere Auseinandersetzung mit Neonazismus und dessen gesellschaftlichen, im Kapitalismus begründeten Ursachen, zu ermöglichen.

An der morgendlichen Demonstration durch die Euskirchener Innenstadt beteiligten sich etwa 100 Personen. Den Antifa-Block an der Demospitze supporteten ca. 25 Personen, was mit Blick auf zahlreiche gleichzeitig stattfindende antifaschistische Veranstaltungen in Remagen, Düren, Aachen und Köln als Erfolg gewertet werden kann. Auch Personen aus dem Kreis der FNE ließen sich am Rande der Demonstration blicken – wenn auch nur für kurze Zeit.

Die anschließenden Vorträge besuchten rund 50 Personen. Im ersten Vortrag vom Journalisten Michael Klarmann ging es um die Naziszene in Euskirchen, speziell um die FNE. Hans-Peter Killguss von der „Info- und Bildungsstelle gegen Rechtsextremismus“ behandelte anschließend die Frage, was gegen Rechts getan werden könne und lieferte potentiellen Anti-Nazi Akteur_innen in Euskirchen damit hilfreiche Tipps.
Dem musikalischen Begleitprogramm am Abend wohnten bis zu 200 Personen bei.

Glaubt man den Verlautbarungen der FNE waren auch Spitzel von ihnen unter den Gästen. Mindestens ein Sympathisant der FNE wurde von der Veranstaltung ausgeschlossen. Mehrere Nazis in einschlägiger Kleidung ließen sich am Veranstaltungsort blicken. Eine klare Kampfansage – wenngleich es unter’m Strich relativ ruhig blieb. Völlig inakzeptabel verhielt sich Team Green. Diese ließen bei jeder sich bietenden Gelegenheit durchblicken, dass sie nicht gewillt waren, die Demonstration oder die Veranstaltungen zu schützen – obwohl die Erhaltung der öffentlichen Ordnung ihre Aufgabe ist. Zum Glück haben wir uns von vorne herein darauf nicht verlassen.

Der 8. Mai war nicht aller Tage – die Antifa kommt wieder, keine Frage!

Redebeitrag der Antifa Erftstadt:

- oder hier nachlesen:
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Filmvorführung: „Warum Israel“

“Warum Israel” (Originaltitel: Pourquoi Israël) ist ein Dokumentarfilm des französischen jüdischen Regisseurs Claude Lanzmann aus dem Jahr 1973.
Dabei nimmt das fehlende Fragezeichen im Titel es schon vorweg, “Warum Israel” ist keine Frage sondern eine Antwort. Eine Antwort darauf, was es heißt, in dem jüdischen Staat zu leben, der als Konsequenz aus der Shoah gegründet worden ist und auch heute noch Juden und Jüdinnen einen wirksamen Schutz vor dem global exestierenden Antisemitismus zu bieten versucht. Mit filmischen Mitteln sowie Interviews mit verschiedenen Bürger_innen Israels wird so die Notwendigkeit Israels begründet.

Dem Film vorangestellt ist ein kurzer Vortrag der Gruppe shutdown!, welcher einige Erläuterungen zum Film darlegen wird. Im Anschluss der Vorführung wird es dann noch Raum für Diskussionen geben.

Freitag | 11. Juni 2010 | 18.00 Uhr

Autonomes Zentrum Köln | Wiersbergerstraße 44 | Ubahn: Linie 1 u. 9 bis Kalk Kapelle

Veranstaltet von der Gruppe shutdown!

Demofrühling beginnt!

Im Frühling gibt es gleich mehrere Gelegenheiten gegen Nazis und andere Widerlichkeiten sowie für linke Freiräume auf die Straße zu gehen:

26.-28. März in Mülheim/Bochum/Gelsenkirchen/Duisburg
Aktionen gegen NPD und „pro NRW“
Wochenend-Planer | Aufruf: Für ein selbstbestimmtes Leben – Rechtes Märchenland zerlegen!
Wir distanzieren uns explizit von den Bündnissesn „Duisburg stellt sich quer“ und dem „Marxloher Bündnis“, die ebenfalls zu Gegenaktivitäten aufrufen. In diesem Zusammenhang verweisen wir auf die auch von uns unterstütze „Petition gegen reaktionäre Organisationen in antifaschistischen Bündnissen“.

2. und 3. April in Stolberg
Aktionen gegen die Naziaufmärsche im Aachener Vorort
Aufruf zu Gegenaktivitäten

3. April in Dortmund
Gedenkdemonstration an den von Nazis ermordeten Punker Thomas Schulz unter dem Motto “Linke Freiräume erkämpfen!”

10. April in Essen
Demo gegen den Naziladen Oseberg
Aufruf zur Demonstration

Gemeinsam gegen jeden Extremismus? Nicht mit uns!

Wir unterstützen den Aufruf gegen jeden Extremismusbegriff 2010 [PDF] der Gruppe INEX.

Auch in Erftstadt haben wir mit den Auswüchsen der Extremismustheorie zu tun: Wenn Menschen meinen die Antifa sei genauso bekämpfenswert, wie die Nazis; Politiker_innen die Ansicht vertreten Erftstadt dürfe nicht in die Hände von Extremist_innen fallen, die alle gleichsam die (längst nicht existente) Dorfidylle stören; brennende Autos zu linksradikalen Aktionen verklärt und auf eine Stufe mit Angriffen auf Migrant_innen, Obdachlose oder andere Personen, die Nazis als „lebensunwert“ deklarieren, gestellt werden ist der Extremismusbegriff und seine krude Theorie längst verinnerlicht und reproduziert.

Aufruf zur kollektiven Verweigerung politischen Unsinns

Das veränderte politische Klima unter der schwarz-gelben Koalition hat bereits erste Einschnitte zur Folge. So konnte man in den letzten Tagen in Dresden und Berlin sehen, was der Staat vom aktiven Engagement gegen Nazis und deren Gesinnung hält. Die Repressionen gegen Vereine und Initiative, die sich den Nazis entgegenstellen, zeigen wie der Staat auch in Zukunft mit solchem Engagement umzugehen gedenkt.
In Teilen der Öffentlichkeit zeichnet sich zwar Empörung gegen dieses Vorgehen ab. Gleichzeitig verweigern sich jedoch die Protestierenden der konsequenten Kritik des Extremismusbegriffs. Die Extremismusformel als legitimatorische Basis des Vorgehens von Politik, Staatsanwaltschaft und Polizei wird damit von den Kritiker_innen selbst reproduziert und ihre Konsequenzen werden billigend in Kauf genommen.
Hier deshalb unser Aufruf „Gemeinsam gegen jeden Extremismus? Nicht mit uns!“, in dem wir dazu auffordern sich endgültig vom Extremismusansatz zu verabschieden.
…weiterlesen [PDF].

Es bleibt dabei: Linke, antifaschistische Politik und Kultur sind nicht „extremistisch“, sondern extrem wichtig!

Jugendantifa Erftstadt gegründet!

In Erftstadt haben sich kürzlich Schülerinnen und Schüler zur „Jugendantifa Erftstadt“ zusammengeschlossen. Die Genoss_innen möchten die Zunahme von Naziaktivitäten „nicht weiter unkommentiert hinnehmen und den antifaschistischen Widerstand in und um Erftstadt unterstüzen“. Zudem fordern sie von der Gesellschaft „Courage im Alltag zu zeigen und gegen Diskriminierungen vorzugehen“.

„Es ist schön zu sehen, dass es Menschen gibt, die sich den Umtrieben von Nazis entgegen stellen.“, betont Antifasprecherin Luca Plette. „Wir wünschen euch viel Erfolg! Lasst euch nicht einschüchtern und unterkriegen!“

„AG Courage“ am VGE gegründet [ergänzt!]

Erftstadt-Liblar. Laut einer Pressemitteilung hat sich am Liblarer „Ville Gymnasium“ eine AG gegründet, die sich für Zivilcourage und gegen Rechtsextremismus engagiert. In einer ersten Aktion der „AG Courage“ seien ca. 80 Sticker der „Freien Kräfte Köln“ und 15 Plakate entfernt worden, die für einen Naziaufmarsch am 1. Mai in Berlin warben.
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Stellungnahme zum Naziouting in Liblar

Hohe Wellen schlägt derzeit eine Outingaktion gegen den Nationalsozialisten Sebastian Ziesemann aus Erftstadt-Liblar. Dieser war, laut Indymedia, in der Nacht zum 5. Januar mittels Flugblätter in Briefkästen und an Straßenlaternen bildlich illustriert als Nazi seiner Nachbarschaft vorgestellt worden. Im Internet bekennen sich „AntifaschistInnen aus Köln“ hierzu und verweisen auf eine ähnliche Aktion, bei welcher kürzlich der „Freie Kräfte Köln“-Funktionär René Emmerich seiner Nachbarschaft unfreiwillig vorstellig wurde.
Von verschiedensten Seiten zeigten sich bereits Reaktionen. Uns liegen aufschlussreiche Statements von Bürgern und Nazis vor. Uns halbwegs positiv gesonnene Bürger_innen hoffen wenigstens, dass nicht wir hinter dieser „extremistischen“ Aktion stecken. Manch andere_r Bürger_in offenbart dabei nur allzudeutlich, dass nicht die Nazis, sondern Linke- also „die Antifa“ das eigentliche Problem sind. Einig sind sie sich jedoch darin, dass die Aktion als solche abzulehnen sei.
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Ignorieren oder Gegendemonstrieren?

Beim Umgang mit Neonazis gibt es grundsätzlich zwei unterschiedliche Herangehensweisen. Die einen wollen Nazis ignorieren, um ihnen keine Beachtung und damit keine gesellschaftliche Relevanz zukommen zu lassen. Die anderen gehen offensiv heran, suchen mitunter die Konfrontation und bringen ihre Meinung z.B. durch eigene Flyer und der Teilnahme an Anti-Nazi-Demonstrationen zum Ausdruck.
Einige Gründe, wieso wir denken, dass es sinnvoller ist, offensiv Nazis zu bekämpfen, könnt ihr hier nachlesen.
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Intervention gegen die „Rote Antifa“

von interventionen.blogsport.de

Seit über eineinhalb Jahren etabliert sich in den antifaschistischen Strukturen in NRW eine junge Duisburger Gruppe unter dem Label „Rote Antifa“. Die Gruppe erklärt auf ihrer Internetseite, sie verstehe sich als Duisburger Vorhut einer internationalistischen, antirassistischen und antikapitalistischen Globalbewegung. Schon seit einigen Monaten ist sie zumindest teilweise an der medialen Aufarbeitung von Anti-Nazi-, Friedens- und anderen sozialpolitischen Demonstrationen beteiligt – ein umfangreiches Internetarchiv vermittelt den Eindruck einer stark organisierten und durch breite Strukturen unterstützten Arbeit. Sie sucht darüber hinaus Anschluss zu bestehenden linken Strukturen in NRW. Auch im restlichen Bundesgebiet und teilweise sogar im europäischen Ausland knüpft sie erste Kontakte. Sie tritt auf nahezu allen größeren politischen Events in NRW in Erscheinung, mobilisiert zu eigenen Antifa-Blöcken und führt schwach organisierte Demonstrationen spontan durch eine geschlossene Spitze und eigene Transparente an. Demnach ließe sich also eine Bereicherung hiesiger Strukturen vermuten. Doch seit Beginn ihrer politischen Tätigkeit ist die Gruppe regelmäßig in gewalttätige Aktionen gegen andere antifaschistische Gruppen und Einzelpersonen involviert. Zudem kam es zu Aussagen, die darauf schließen lassen, dass die „Rote Antifa“ einen anarchistischen und linkskommunistischen Minimalkonsens nicht teilt.

Im Folgenden möchten wir beispielhaft einige Ereignisse aufführen, um zu verdeutlichen, warum wir – Anarchist_innen und Kommunist_innen aus NRW – eine Zusammenarbeit mit der „Roten Antifa“ für untragbar halten. In manchen der bekannt gewordenen Fälle konnte nicht abschließend geklärt werden, ob es sich bei den Beteiligten ausschließlich um Mitglieder der Gruppe oder auch oder nur um ihr politisches Umfeld handelt. Bei den nachfolgend beschrieben Situationen darf ihre – zumindest indirekte – Beteiligung als gesichert gelten. Vollständig – und das halten wir für bezeichnend – ist die Chronologie allerdings nicht. Während der Zusammenstellung sind eine Reihe weiterer Vorfälle bekannt geworden, die nicht mehr erfasst wurden.

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